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Bin das noch ich?

Auch ich habe mich nun endlich getraut ein Selfie zu machen um dann damit eine Selfie-Bearbeitungs App zu testen und zu bewerten.

Die erste App die mir aufgrund der sehr guten Bewertungen aufgefallen ist, und die ich testen werde, heißt Beauty Cam. Man kann hier direkt ein Selfie aufnehmen, oder ein bereits aufgenommenes hochladen. Neben den gewöhnlichen Bearbeitungstools wie Helligkeit, Temperatur, Farbe etc. findet man hier zusätzlich die Kategorien „Beauty“ und „Body“. Unterscheidliche Filter und Sticker können auch verwendet werden. Es würde mich zwar auch interessieren wie gut die Bearbeitung des Körpers funktioniert aber da es uns hier um das klassische Gesichts-Selfie geht, konzentriere ich mich auf die Kategorie „Beauty“. Unter dieser Kategorie findet man verschiede Funktionen mit denen man Gesicht, Haare, Augen, Make-up etc. bearbeiten kann. Ich probiere also ein paar verschiedene Funktionen aus und muss sagen, dass alles wirklich gut funktioniert. Ich muss nur einen Regler etwas nach rechts schieben und schon ist mein Gesicht schmaler – „Facelift“ nennt sich diese Funktion. Man braucht also keine Schönheitsoperationen mehr wenn es diese App gibt?
Ich verändere meine Gesichtsform, meine Haarfarbe, meine Augen und schon sehe ich ganz anders aus. Ziemlich schnell habe ich alle Funktionen getestet und ein Ergebnis bekommen.

vorher 

nachher

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich möchte noch einen Vergleich haben und wähle dafür die App  YouCam Makeup – Magic Selfie Makeovers der Name klingt doch vielversprechend, oder nicht?
Diese App hat schon eine große Auswahl an Make-up Styles aus denen man auswählen kann. Wählt man hier, wird von Foundation über Augen, bis hin zum Mund schon alles erledigt aber ich schaue mir lieber die einzelnen Funktionen genauer an. Die Kategorien sind hier ähnlich wie bei der vorherigen App, es gibt es jedoch zum Teil eine größere Auswahl an Unterfunktionen. Eine Funktion finde ich hier sehr interessant: Man kann bei den Lippenstiften aus verschiedenen Marken auswählen und dann gleich an seinem Bild testen, wie das Produkt (natürlich in vielen verschiedenen Farben) bei einem selbst aussehen würde. Wenn man wollte, könnte man im Anschluss direkt weiter zum Kauf des Produktes gehen, eine wirklich schlaue Art Werbung zu machen!
Bei den Funktionen für das Gesicht fängt es mit den Basics wie Foundation an aber schon bald kommt man zu einer großen Auswahl an unterschiedlichen Contouring Techniken – keine Ahnung es sieht im Endeffekt doch alles irgendwie gleich aus. Und schließlich gibt es auch in dieser App eine Funktion ähnlich wie das „Facelift“ der Beauty Cam. Hier heißt es „Face Shaper“ und was ich interessant finde, ist dass man hier das Gesicht sowohl schmaler als auch breiter aussehen lassen kann, was bei der vorherigen App nicht möglich war. Hier wird also nicht gleich davon ausgegangen, dass alle ein schmaleres Gesicht haben wollen, man hat mehr Freiheit bei der Definition des eigenen Schönheitsidels!

man kann sein Gesicht hier auch breiter machen!

Weiter geht es mit den Augen. Auch hier kann man sowohl die Augen selbst, als auch das Augen Make-up bearbeiten. Man kann beispielsweise die Augen vergrößern und Tränensäcke entfernen. Alles Dinge die dem klassischen Schönheitsideal entsprechen. Aber auch hier: man kann seine Augen auch kleiner machen, jedem bleibt es selbst überlassen!
Es gibt hier noch ein Tool, das ich vorher noch nicht gesehen hatte: asiatische Augen ohne Lidfalte können sich hier ganz einfach eine dazuretouschieren. Was man davon halten soll, könnte man hier jetzt lange diskutieren aber ist es nun mal in vielen Ländern zum Trend geworden.
Ich finde alle Funktionen hier funktionieren sehr einfach und gut, nur von einer bin ich enttäuscht: bei den Augenbrauen gibt es sehr wenige Optionen und das Ergebnis sieht meiner Meinung nach sehr unnatürlich aus.

Fast geschafft: es fehlen nur noch die Haare. Man kann hier ganz einfach die eigenen Haare färben, man kann aber auch eine komplett neue Frisur ausprobieren. Mein Ausgangsfoto ist für zwar nicht ideal (ich hätte wohl lieber die Haare wegstecken sollen) aber es geht auch so ganz gut.

vorher

nachher 2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Insgesamt muss ich sagen, dass mir die zweite App aufgrund des größeren Angebots an verschiedenen Optionen besser gefallen hat. Auch kann man hier besser Abstufungen der einzelnen Tools auswählen, sodass es nicht unbedingt ganz so unnatürlich aussehen muss. Auch kann man hier besser selbst entscheiden in welche Richtung die Veränderung gehen soll. Insgesamt (speziell durch die vielen Optionen) habe ich jedoch nicht mehr wirklich das Gefühl mich selbst anzuschauen, sonder eher, dass ich ein Spiel spiele.

Einerseits kann ich nach diesem Test verstehen weshalb Apps wie diese genutzt werden, aber andererseits bin ich diesen noch skeptisch gegenüber. Es können auch lediglich dezente und unauffälligere Verbesserungen vorgenommen werden, die trotzdem dazu führen, dass man mit einem Foto von sich selbst zufriedener ist. Aber ist es gut wenn uns gezeigt wird wie schnell wir unser Aussehen verändern können? Wir uns dadurch indirekt gesagt, dass wir unser Aussehen verändern sollen?
Ich kann mir vorstellen, dass durch das Bearbeiten von Bildern auf diese Art Selbstzweifel sogar noch schlimmer werden können. Die Ergebnisse entsprechen schlichtweg nicht der Realität. Es wäre sogar denkbar, dass jemand der sieht wie einfach man die eigene Erscheinung verändern kann und wie es aussehen würde durch soetwas zu einer Schönheitoperation motiviert wird.

Es war eine lustige Erfahrung solche Apps zu testen aber insgesamt finde ich sie doch etwas fragwürdig.

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3 Kommentare

  1. Esti 25. Juni 2018

    Hey Valentina. 🙂
    Coole Idee mit dem Vergleich der zwei Apps. Ich selber habe keine Beauty-App ausprobiert und bin sehr überrascht, was du alles beschrieben hast. Die Bearbeitungsfunktionen sind ja enorm. Das es so einfach geworden ist, seine Fotos zu bearbeiten mit Haarfarbe, Gesicht schmaler machen, andere Lippenfarbe und und und ist schon beeindruckend. Was früher in mühevoller Arbeit in Photoshop erledigt wurde, geht jetzt mit einem Mausklick…
    Aber wer benutzt denn sowas? Pickel weg – ok. Aber Haarfarbe, Gesichtsform und sowas ändert man doch nicht? Oder? Das ist ja fast schon Kunst… 😀
    Danke für deine ausführliche Beschreibung! 🙂

    • Digidentity 25. Juni 2018

      Hier noch ein Link zu einem interessanten Artikel über Beauty Apps, diesmal bezogen auf China & Meitu:
      China’s Selfie obsession

      Meitu’s apps are changing what it means to be beautiful

      • Steffi Cui 1. Juli 2018

        Wie Jiayang Fan in ihrem Aufsatz geschrieben hat: „HoneyCC told me that it is considered a solecism to share a photo of yourself that you haven’t doctored. „, es gibt eine signifikante Mehrheit der jungen Leute in China, die ihre Fotos, insbesondere Selfies, vor der Korrektur nicht veröffentlichen wollen.
        Ich war häufig mit einer Freundin unterwegs. Wir machen auch Selfies. Bevor ich den Fotos poste, muss ich erst meiner Freundin den Fotos hinschicken, damit sie alle mal „kontrollieren“ und „ändern“ kann. Sie ist eigentlich eine sehr nette Freundin mit einem schönen Gesicht. Jedoch hält sie sich als viel zu fett. Manchmal verstehe ich nicht, warum manche Leute so gerne die Fotos von ihnen korrigieren. Das Publikum besteht ja meistens aus den Bekannten, die sie kennen lernen und wissen auch, wie sie wirklich aussehen. Was ist dann die Motivation?
        Diese Woche habe ich einen Aufsatz auf 果壳Guogr über Selfiekorrektur gelesen. Die Autorin 李子李子短信 hat den Begriff „Digitized Dysmorphia“ von Isabelle Coy-Dibley erwähnt, der das Korrekturverhalten bei Social Media interpretiert. Die Autorin meint, die korrigierte Fotos verzerren unseren Blick auf uns selbst, wo die Motivation der Selfiekorrektur versteckt. Yangzi, die Interviewpartnerin der Autorin, hat genau ein „Wanghonglian“ (Jiayang Fan definiert es als “Internet-celebrity face”). Nach der Meinung von Yangzi sind die korrigierten Fotos auf Social Media ihr reales Porträt statt des Originalen. (Weil ihr Gedanken schon tief von den Fotos verzerrt wird.) Die jungen Leute, hauptsächlich die jungen Frauen, wollen glauben, dass das schöne Ich auf Social Median das authentische Ich ist, obwohl das Kriterium der Schönheit nicht von sich selbst festgelegt wird, sondern, laut der Autorin, ausschließlich den überrepräsentierten kulturellen Wert verkörpert.

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