digidentity

Selbstinszenierung

Wie hat sich unsere Selbstdarstellung verändert?

Mir ist schon öfter auf Instagram aufgefallen, wie kleine Kinder von ihren Müttern (oder Vätern) gestylt und präsentiert werden und dachte, dass das ein gutes Beispiel für die Veränderung von Fotos und Selbstdarstellung ist.

Früher sahen Kinderfotos vielleicht so aus: 

Ein Schnapschuss von den Kleinen während eines Ausflugs in der Stadt…

Heute sieht das Ganze etwas anders aus (vor allem auf Instagram!):

Ich möchte das jetzt nicht verallgemeinern und behaupten, dass jeder seine Kinder so im Internet präsentiert, jedoch finde ich dieses Phänomen sehr erschreckend. Kinder werden schon in so einem jungen Alter dazu erzogen, besonders schöne Posen einzunehmen, um besonders süß auf dem Bild auszusehen. Ist das wirklich nötig?

Besonders auffällig finde ich in diesem Vergleich die Körperhaltung der Kinder in meinen Beispielen. Im ersten Bild stehen die Kinder einfach da und schauen in die Kamera. Beide sehen ein bisschen nach unten, sodass die Gesichter eher im Schatten sind und nicht so gut belichtet werden. Ich finde, dass es so aussieht, als wäre ihnen das Foto eher egal.

Im Bild zwei ist genau zu sehen, wie das Kind auf die Fußstellung geachtet hat, das Gesicht ist nach oben gerichtet und der Mund zu einem Kussmund geformt. Sie spielt mit ihren Händen ein wenig in den Haaren, die auf eine Seite gestylt wurden. Das Kind gestaltet somit ein Bild, dass auch eine erwachsene Frau von sich aufgenommen haben könnte.
Es wird das Gefühl von einem entspannten Nachmittag vermittelt – der Luxus nichts zu tun, eingekuschelt in eine warme Wolljacke.

Generell hat sich durch die Bilderflut der heutigen Zeit die Produktion und Rezeption von Bildern verändert. Mithilfe unserer Smartphones ist es so leicht geworden schnell ein paar Bilder von sich zu machen und online zu stellen, um allen zu zeigen, was man gerade macht oder trägt. Ich denke, dass Fotos heute, genauso wie früher, noch einen emotionalen Wert besitzen und wir uns gerne mit Fotos an Urlaube oder lustige Momente erinnern. Jedoch bin ich der Meinung, dass man heutzutage eher Bilder für das Netz und Freunde macht, als eine Erinnerung für sich selber zu schaffen.

Was denkt ihr? Ist meine Aussage zu radikal? Ist mein Vergleich der beiden Fotos angemessen?

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

7 Kommentare

  1. Moritz 8. Mai 2018

    Der Trend seine Kinder als Motiv und zugleich Inszenierung für sich selbst als Eltern zu nutzen ist auch mir aufgefallen. Ich finde diese Zurschaustellung nicht okay, auch wenn es den Kindern sicher Spaß macht, sich so rauszuputzen. Wie du schon angesprochen hast, werden sie schon in so einem jungen Alter dazu erzogen, Hauptsache zu gefallen. Ich bin sicher kein Erziehungsexperte, aber die freie Entwicklung wird dadurch bestimmt irgendwie eingeschränkt. Aber so gibt es wenigstens weniger peinliche Kinderbilder 😀
    Ich stimme dir zudem zu, dass Bilder heutzutage an emotionalem Wert verloren haben. Heute heißt es eher „nur mal schnell“ ein Foto zu machen und es gleich zu teilen, anstatt das Foto für sein zukünftiges Ich zu schießen und sich nach einiger Zeit mit Freue an den Moment zu erinnern. Natürlich handeln und denken nicht alle so, aber die Mehrheit leider schon…

  2. Michael 9. Mai 2018

    Das ist vielleicht der nächste Schritt der Selbstdarstellung: Statt „Hier mein gesundes Frühstück“ und „Schau wo ich gerade im Urlaub bin!“, ist es jetzt eben „Seht her was ich für Model-Kinder habe!“
    Ich glaube die Leute, die Fotos ihrer Kinder ins Internet stellen, waren auch bevor sie Eltern wurden schon eher im Internet unterwegs und kennen quasi diesen Instagram-Style. Da will man dann vielleicht herausstechen oder zumindest mithalten und macht deshalb solche unangemessenen Bilder.
    Ist ja heutzutage auch so einfach wie nie „gute“ Bilder zu machen, wenn einem Automatik-Einstellungen der Kamera und Filter die Arbeit abnehmen.
    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es nach wie vor Eltern gibt, die „normale“ Fotos von ihren Kindern machen. Die landen dann aber eben nicht im Internet, sondern in Fotoalben und Bilderrahmen, die wir nicht zu Gesicht bekommen.
    Ich finde aber auf jeden Fall auch, dass diese merkwürdig gestellten Kinderbilder wenig Herz und noch weniger Seele haben.

  3. Esti 9. Mai 2018 — Autor der Seiten

    Danke für euer Feedback und weiteren Sichtweisen zu diesem Thema! Ich kann euch nur zustimmen.
    Ich denke auch, dass es immernoch Eltern gibt, die „normale“ Bilder von ihren Kindern machen. Auf jeden Fall! Meine Schwester ist zum Beispiel auch Mutter und stellt gar keine Bilder von ihrem Sohn ins Internet, weil es itr einfach zu unsicher ist, was damit passiert.

    Moritz, ich denke, dass diese Eltern ihren Kindern auch einfach falsche Werte vermitteln. Es geht bei diesen Fotos ja nur um Äußerlichkeiten…

  4. Kristina 9. Mai 2018

    Diese Art der Selbstinszesnierung finde ich besonders schlimm, weil man den Kindern einen Teil ihrer Kindheit raubt. In diesem Alter Kinder in Designer- oder Markenklamotten zu stecken vermittelt nicht nur die falschen Werte, sondern wirft auch ein kommt falsches Bild auf das „Kind sein“. Besonders oft sieht man das ja an den Celibrity-Kinder die schon in High Heels rumrennen und aussehen wie kleine Erwachsene.
    Aber hier geht es auch nicht um die Selbstinszenierung der Kinder sondern die Eltern wollten sich selbst in einem besseren Licht bzw. in einem bestimmten Licht darstellen DURCH ihre Kinder. Das Kind wird dadurch eigentlich nur Mittel zum Zweck, zu einem Gegenstand und nicht einem Familienmitglied. Das Kind ist also mehr Objekt/Modepuppe ohne freien Willen, weil es ja gar nicht weiß was richtig und falsch ist oder entscheiden kann was es will oder nicht.. Es lernt ja von den Eltern, dass das was passiert „richtig“ ist bzw. normal.

    Natürlich gibt es mit großer Mehrheit auch normale Eltern, die Bilder von ihren Kinder machen. Aber diese stehen ja nicht im Fokus in diesem Beitrag.

  5. Digidentity 10. Mai 2018

    Ein wirklich gutes Beispiel und eindeutig ein zu beobachtender Trend.
    Wir sehen darin Sexualisierung, Kinder als (Design-)Projekt – doch könnte man auch argumentieren, dass diese Kinder (gerade die von celebrities) auf unser heutiges Leben und dem Druck, das „Selbst als Marke“ zu inszenieren, vorbereitet werden?
    An wen richten sich diese Bilder – an die Allgemeinheit, an andere Eltern?
    Gilt hier auch „pics or it didn’t happen“?

  6. Alina N 11. Mai 2018

    Ich kann vor allem Kristina, aber euch allen nur zustimmen. Es werden ja sogar Babies gepostet, deren Outfits komplett aufeinander abgestimmt sind. Es gibt Roomtouren auf Youtube von Baby- oder Kinderzimmern, da wird es mir beim Anblick übel.
    Aber ich denke, der Trend wird jetzt auffälliger, da sowieso jeder alles ins Internet stellt. Und wenn das Kind süß und hübsch und gestyled ist, warum dann nicht auch mit dem Kind Likes und Aufmerksamkeit absahnen?
    In den USA gibt es jedoch schon lange auch Schönheitswettbewerbe für Mädchen – ich habe das durch den Film „Little Miss Sunshine“ damals erfahren (den ich übrigens nur empfehlen kann). Die Mädchen werden dort beinahe puppenhaft hergerichtet und überzogen geschminkt, um dann mit Zahnpastalächeln vor einer Jury bewertet zu werden… kein Wunder, dass der Trend der Darstellung seiner Kinder nun auch in die Sozialen Medien gezogen ist. Oder wer weiß, vielleicht sind die Kinder, die damals auf der Bühne standen, die Mütter, die heute hinter der Kamera stehen?

  7. Esti 13. Mai 2018 — Autor der Seiten

    Ich bin der Meinung, dass die Kinder in so jungen Jahren noch nicht darauf vorbereitet werden müssen, sich selbst zu vermarkten. Ich denke, der Hintergedanke der Eltern dabei ist, wie auch schon von anderen hier beschrieben, sich selber durch die Kinder zu präsentieren. „Schaut her, wie niedlich MEINE Tochter ist.“
    Bei Celebrities ist das wahrscheinlich nochmal etwas anderes und die Kinder bekommen dadurch schon mit, was sie am Besten für Fotos online stellen, um besonders gut auszusehen.

    Die Bilder sind meiner Meinung nach für die Allgemeinheit bestimmt. Sie wollen ihre Kinder ihren Followern präsentieren. Die meisten Mütter waren auch schon vor ihren Kindern (was ich so beobachtet habe) auf Instagram aktiv und haben dann ihre Schwangerschaft und auch das Heranwachsen ihres Kindes online dokumentiert. Oder meinen Sie, dass es auch eine Art Wettbewerb unter den Eltern sein könnte?

    „Pics or didn´t happen“ ist für mich nur schwer zu beantworten. Die meisten Kinderfotos, die mir aufgefallen sind, waren nicht an ein super tolles Ereignis geknüpft, sondern wurden eher zu Hause aufgenommen, wobei mehr das Outfit der Kinder im Vordergrund stand. Deshalb würde ich hier sagen, dass es weniger um die Aktivitäten geht, diese festzuhalten und zu präsentieren, sondern eher um die Ästhetik der Bilder und Äußerlichkeiten.

    Was denkt ihr anderen dazu?

Antworten

© 2024 netzmetaphern

Thema von Anders Norén