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Belfie at the beach

Ich habe mir ein vielleicht etwas provokativeres Motiv zum Thema „Alt vs. Neu – prä-digital vs. digital“ ausgesucht: den Hintern der Frau.

Körper, vor allem Frauenkörper, waren schon immer beliebt in der Malerei, Zeichnung und Fotografie, das ist wohl allgemein bekannt und auch sehr offensichtlich. Die Darstellung derselben hat sich jedoch meiner Meinung nach im Zeitalter der Sozialen Medien und der Selbstdarstellung, Selbst-Präsentation stark verändert.

Das „alte“ Bild ist ein Schnappschuss, vor 23 Jahren aufgenommen. Obwohl ich es sehr interessant finde

– da die Größenverhältnisse zufälligerweise eine schöne Symmetrie bilden, die Beine der beiden Frauen im Gleichschritt sind, wozu die umgekehrte Haltung des Mannes im Kontrast steht und das Bild trotzdem nicht langweilig wirken lässt –

ist die Aufnahme nicht perfekt… die Ausleuchtung ist beispielsweise nicht optimal.

Nachdem die Fotos am Ende des Urlaubs entwickelt wurden, wurde sich wahrscheinlich über das gelungene Bild gefreut. Die Intention, dieses Bild mit Millionen fremder Menschen zu teilen, war damals noch nicht vorhanden und wahrscheinlich auch undenkbar – war doch das Gefühl von Scham einerseits und Schutz des Persönlichen andererseits noch viel höher. Stattdessen wurde schöner Moment, ein tolles Motiv, eingefangen und hängt nun, 23 Jahre später, noch immer als Erinnerung im Haus.

 

Bilder, in denen Frauen ihre Körper und vor allem Hintern gekonnt in Szene setzen und teilweise schon fast provokativ posieren, sind heutzutage auf Plattformen wie Instagram keine Seltenheit mehr. Das folgende Bild soll repräsentativ sein für alle Damen bzw. deren Hintern, die man auf Instagram findet. Das i-Tüpfelchen sind noch die Hände unter den Pobacken, die diesen eine noch bessere Form verleihen sollen, wie es das Bild unten so schön zeigt.

(https://unsplash.com/photos/oIPwvZIAp0o) 

Nicht nur Fotos der tollen Urlaubslocation sind wichtig, nicht nur Bilder des farbenfrohen, üppigen Frühstücks oder der „Hot Dog Legs“, über die auch schon ein Beitrag verfasst wurde – nein, der Körper muss, perfekt in Szene gesetzt, gepost, fotografiert und online gestellt werden. Als Beispiel fiel mir sofort Alexis Ren ein, aber auch hunderttausende anderer junger Frauen und teilweise Mädchen nutzen ihren leicht bekleideten Körper und nackten Po, um Aufmerksamkeit, Likes und „fame“ im Internet zu bekommen.

Die Folgen sind weitreichend und würden auch den Rahmen dieses Posts sprengen, doch um nur ein paar zu nennen: Slut-Shaming und Mobbing, Beleidigungen im Internet, möglicherweise Bedrohungen. Steigender Druck auf andere Frauen und Mädchen, da das Image vom perfekten Körper sie nicht nur in der Werbung und auf Plakaten verfolgt, sondern nun auch non-stop privat.

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4 Kommentare

  1. Jasmin 11. Mai 2018

    Deine Bildauswahl gefällt mir sehr gut!
    Zwar sind die die Bilder provokant, aber dennoch fassen sie die gegenwärtige Bildästhetik sehr gut zusammen.

    Während Bilder aus der Vergangenheit eher „Schnappschüsse“ waren, sind die heutigen digitalen Bilder perfekt inszeniert und bearbeitet.

    Durch modernste Technik und Software können Bilder perfektioniert werden und uns eine vollkommene Welt zeigen.
    Dennoch kann ich mich immer weniger mit diesen Bildern identifizieren, denn mein wahres und nicht digitales Leben kann ich auch nicht einfach „photoshoppen“.
    Während man in der Vergangenheit Bilder für das Familienfotoalbum gemacht hat, macht man heute Bilder für die Netzcommunity. Jeder soll dein Leben, deine Freunde und deine Aktivitäten sehen. Das Verfallsdatum solcher Bilder ist meist kurz und das inflationäre Fotografien verlieren sie auch an emotionalen Wert und geraten dadurch auch gerne in Vergessenheit.
    Wirft man jedoch einen Blick in „Oma’s Familienfotoalbum“ nimmt man sich Zeit, betrachtet jedes Bild aufs gründlichste und man fühlt sich emotional angesprochen!

    • Alina 31. Mai 2018 — Autor der Seiten

      Vielen Dank!
      Gerade diese Emotionalität, die Erinnerungen, die mit den Fotos verbunden sind, gehen bei den „neuen“ Fotos so oft verloren, finde ich. Wir werden überflutet von Bildern und machen von allem und immer Fotos, ohne den Moment zu genießen. Da lobe ich mir alte Fotoalben 🙂

  2. Sabrina 30. Mai 2018

    Deine Bildauswahl ist wirklich sehr gut getroffen! Du hast vollkommen Recht mit deiner Aussage: Es geht immer mehr darum, sich zu präsentieren und darzustellen. Die negativen Aspekte und Auswirkungen beachtet dabei leider niemand.

    Hast du schon von diesem neuen Festival-Trand gehört, bei dem Frauen ihre nackten Brüste und ihren Po mit Glitzer bekleben?

    In der heutigen Zeit wird es meiner Meinung nach immer wichtigter, die Kinder schon früh über das Internet aufzuklären, um solche „Trend“ möglichst gering zu halten. Dass sowas nie aufhören wird, ist mir vollkommen klar. Aber es ist schön, wenn es wenigstens ein paar Gegenstimmen dazu gibt.

    • Alina 31. Mai 2018 — Autor der Seiten

      Danke dir 🙂
      Das „alte“ Bild hat tatsächlich mein Vater mit dem Teleobjektiv geschossen 🙂

      Diesen Trend kenne ich nicht – oder doch? Zwar nicht mit Brüsten und Po (wo macht man denn sowas?) aber im Gesicht, mit so richtigen Glitzersteinchen.
      Das ergibt für mich, und für dich wahrscheinlich genauso, absolut keinen Sinn.

      Die Kinder aufzuklären, ist absolut wichtig, vor allem auch über die „Gefahren“ bei Leichtsinn etc. Aber ich glaube, bei der Masse an Jugendlichen und der Art, wie sie heutzutage im Internet unterwegs sind, wird es schwer, das Bewusstsein wieder in eine andere Richtung zu lenken.

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